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Pressemeldung

Gemeinsame Erklärung zur geplanten Schließung des Pharmazeutischen Instituts an der Universität Leipzig

26. Juli 2012

Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Pläne der Universität Leipzig zur Schließung des Pharmazeutischen Instituts als einzige Ausbildungsstätte für Pharmazeuten in Sachsen gibt es keine Entscheidung über die Weiterführung der dringend benötigten pharmazeutischen Ausbildung im Freistaat.


Die Ausbildung zum Apotheker ist aber nicht nur Voraussetzung, den in § 1 Apothekengesetz festgeschriebenen Auftrag der ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, auch Schlüsselpositionen in der pharmazeutischen Industrie müssen zur Bewältigung der steigenden Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen in den Bereichen der Arzneimittelentwicklung, –herstellung und –prüfung mit Apothekerinnen und Apothekern besetzt werden. Ein Wegfall des Studienstandortes Leipzig wirkt sich negativ auf die regional angesiedelten pharmazeutischen Betriebe aus und schwächt durch eine Abwanderung dieses Industriezweiges den Wirtschaftsstandort Sachsen.


Eine flächendeckende Arzneimittelversorgung, besonders in den ländlichen Gebieten, sowie Nacht- und Notdienste können ohne genügend eigenen Nachwuchs an Apothekerinnen und Apothekern künftig nicht mehr garantiert werden. Bereits im Jahr 2009 konnte fast jede zweite der von öffentlichen Apotheken angebotenen Stellen in Sachsen nicht besetzt werden. Aktuell sucht jede fünfte sächsische Apotheke approbierte Mitarbeiter. Ein Grund dafür ist die zu geringe Studentenzahl. Der Apothekermangel wird durch das altersbedingte Ausscheiden der Pharmazieingenieure, einer Berufsgruppe, die nur in der DDR ausgebildet wurde und die den Apotheker zeitlich befristet vertreten darf, in den nächsten Jahren nochmals enorm zunehmen.


Sachsen schneidet bereits heute hinsichtlich der Apothekendichte im Vergleich der Bundesländer mit Rang 15 unterdurchschnittlich ab: Eine öffentliche sächsische Apotheke versorgt 4.154 Einwohner (Bundesdurchschnitt: 3.800, Quelle: ABDA) und das, obwohl eine im Jahr 2011 veröffentlichte Erhebung der BARMER GEK ergab, dass die meisten chronisch kranken Deutschen mit einem daraus resultierenden erhöhten Arzneimittel- und demzufolge Beratungsbedarf – gemessen an der Bevölkerungszahl – in Sachsen leben.


Der Nachwuchsmangel an Apothekerinnen und Apothekern stellt inzwischen ein bundesweites Problem dar, deshalb ist ein Verweis auf Ausbildungskapazitäten in anderen Bundesländern nicht zielführend. Wir fordern die Entscheidungsträger daher noch einmal mit allem Nachdruck dazu auf, die geplante Schließung des Pharmazeutischen Instituts in Leipzig im Interesse der sächsischen Bürger und des Wirtschaftsstandortes Sachsen zu verhindern!

 

Friedemann Schmidt, Präsident Sächsische Landesapothekerkammer

 

Monika Koch, Vorsitzende Sächsischer Apothekerverband e. V.

 

Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI)

 

 

Diese Erklärung steht hier zum Download bereit.

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