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Pressemeldung

Erhalt der ortsnahen Arzneimittelversorgung

16. Mai 2019

Sächsische Gesundheitsministerin im Austausch mit Apothekerinnen und Apothekern der Regionen Bautzen und Görlitz

 

(Leipzig/Elstra, den 16. Mai 2019) Fehlender pharmazeutischer Nachwuchs, langsame Internetverbindungen und unlautere Wettbewerbsbedingungen des europäischen Versandhandels: Das sind die Sorgen und Nöte, mit denen tagtäglich vornehmlich kleine Landapotheken ums Überleben kämpfen. Vor allem in den Regionen Bautzen und Görlitz versorgen durchschnittlich weniger Apotheken die dortige Bevölkerung als im restlichen Bundesland.

 

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v.l.n.r. Thomas Dittrich, Barbara Klepsch, Ulrike Finger (Inh. Marien-Apotheke Elstra)

 

Die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch konnte sich am gestrigen Mittwoch selbst ein Bild von der wohnortnahen Arzneimittelversorgung machen - zunächst hinter den Kulissen der Marien-Apotheke in Elstra, danach in einer einstündigen Gesprächsrunde mit Apothekerinnen und Apothekern der Region. Dazu eingeladen hatten der Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes Thomas Dittrich sowie der sächsische Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk (CDU).

 

Innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre werden zahlreiche Pharmazieingenieure, die den Apothekenleiter kurzfristig vertreten dürfen, in den Ruhestand gehen. Pharmazieingenieure werden nicht mehr ausgebildet, weshalb die Leerstellen durch approbierte Apothekerinnen und Apotheker besetzt werden müssen. Doch die Auswahl an geeigneten Bewerbern ist für Landapotheken überschaubar klein, teilweise gibt es sogar keine Interessenten. „Wir müssen Arbeitsplätze in den öffentlichen Apotheken wieder attraktiver machen. Das betrifft sowohl den stärkeren  pharmazeutischen Schwerpunkt der Aufgabenbereiche wie auch die Gehaltsstrukturen“, so Dittrich.

 

„In Sachsen werden bereits einige Maßnahmen umgesetzt, um junge Ärzte für die Übernahme von Landarztpraxen zu gewinnen. Diese Angebote müssen wir auch auf junge Pharmazeuten ausweiten und gemeinsam mit den Kommunen weiterentwickeln“, sichert Klepsch zu. Dazu gehöre auch der Erhalt und weitere Ausbau der ländlichen Infrastruktur, da dies innovative Versorgungsmodelle voraussetzen, wie die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN), welche die kontinuierliche Betreuung multimorbider Patienten durch ein Arzt-Apotheker-Paar gewährleistet.

 

„Der flächendeckende Ausbau mit leistungsstarken Internetleitungen ist vor allem im ländlichen Raum ein Problem, auch wenn bereits einige sächsische Regionen komplett erschlossen wurden“, erklärt Mikwauschk. Die dafür notwendigen Gelder seien bereits von der Staatsregierung zur Verfügung gestellt worden, es liege momentan noch an den Kapazitäten bei der Umsetzung. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten zwei Jahren hierbei zügig vorankommen werden“, so Klepsch.

 

Zum Abschluss der Gesprächsrunde begrüßte Dittrich ausdrücklich die Unterstützung der sächsischen Landesregierung im Kampf für die Preisgleichheit verschreibungspflichtiger Arzneimittel. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vor knapp drei Jahren sind ausländische Versandhändler nicht mehr an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden und können Kunden mit großzügigen Rabatten locken, ohne jedoch zusätzliche Gemeinwohlaufgaben wie den Nacht- und Notdienst zu übernehmen. Der wirtschaftliche Nachteil ist für viele Apotheken deutlich spürbar. Bundesweit mussten bereits hunderte  Apotheken, darunter viele in ländlichen Regionen, schließen. Auf Druck der Europäischen Kommission plant nunmehr Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch die rechtliche Grundlage für die innerdeutsche Preisgleichheit bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln im Arzneimittelgesetz (§ 78 Abs. 1 Satz 4) zu streichen. „Das wird den aktuellen Wettbewerb noch verschärfen und viele weitere Apotheken zur Schließung zwingen. Der Versandhandel kann niemals den persönlichen Kontakt in der Apotheke ersetzen, den vor allem ältere Patienten suchen“, so Dittrich.

 


 

Der Sächsische Apothekerverband e. V. (SAV) tritt als Wirtschaftsverband für die fachlichen, gesellschaftlichen, ökonomischen, beruflichen und politischen Interessen von über 900 Apotheken in Sachsen ein.

 

Kontakt
Dr. Kathrin Quellmalz
Tel.: 0341/33652-44
quellmalz@sav-net.de

 

Sächsischer Apothekerverband e. V.
Eilenburger Straße 3
04317 Leipzig
www.sav-net.de

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