Pressemeldung

„Unter diesen Umständen können wir die wohnortnahe Arzneimittelversorgung so nicht mehr leisten“ – Große Mehrheit der sächsischen Apotheken beteiligt sich am heutigen Protesttag

2. Oktober 2023

Die große Mehrheit der sächsischen Apotheken sind am heutigen Montag dem Aufruf ihrer beruflichen Interessenvertretung, dem Sächsischen Apothekerverband (SAV), gefolgt und haben sich am sachsenweiten Protesttag beteiligt. „Unser Berufsstand ist nicht dafür bekannt, dass wir lauthals unsere Wünsche äußern. Normalerweise sind wir verlässliche Problemlöser, die im Hintergrund agieren. Umso hellhöriger sollte die verantwortliche Bundesregierung dann sein, wenn wir zu einer so drastischen Maßnahme wie einem ganztägigen Protest aufrufen“, erklärt Kristin Rost, Inhaberin der Park-Apotheke Hartha und Vorstandsmitglied des SAV.

Vielerorts blieben die Apothekentüren heute geschlossen, Patientinnen und Patienten wurden über ein Netz an notdiensthabenden Apotheken versorgt. „Natürlich haben wir überlegt, ob ein weiterer Protesttag für die sächsische Bevölkerung zumutbar ist, aber ich denke vielen unserer Patientinnen und Patienten ist klar, dass das heutige Bild innerhalb der nächsten zehn Jahre die tagtägliche Versorgungsrealität sein könnte“, erklärt Rost. Deutschlandweit erwarte man in diesem Jahr rund 600 Schließungen, allein mehr als zwanzig davon in Sachsen. Mit knapp 22 Apotheken pro 100.000 Einwohner wird das Versorgungsnetz immer großmaschiger und liegt damit im unteren Drittel des europäischen Vergleichs.

Sachsen ist eines der fünf Bundesländer mit der durchschnittlich ältesten Bevölkerung. Vor allem auf dem Land ist die Apotheke der oftmals einzige Anlaufpunkt für Fragen zur Gesundheit und Versorgungsangeboten. „Wir sind mit Leib und Seele Heilberufler, aber aktuell zwingt uns die Lauterbachsche Politik, sehr deutlich auf die gravierenden Probleme bei der Arzneimittelversorgung hinzuweisen“, erklärt Rost. „Auch wenn sich die Liefersituation bei Fiebersäften für Kinder etwas entspannt hat, sind seit längerem gut 500 Arzneimittel für unter anderem Diabetiker, Krebspatienten oder Patienten mit Bluthochdruck nicht lieferbar. Was ist mit diesen Menschen?“

Doch nicht nur das zeitaufwändige Managen der Lieferengpässe macht den Apotheken zu schaffen. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre wurde das Fixhonorar für die Abgabe von Arzneimitteln zulasten der Gesetzlichen Krankenkassen um nur 25 Cent angepasst. Kristin Rost: „In allen Bereichen sind die Kosten explodiert. Viele Apotheken sind dadurch bereits in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, teilweise bis hin zur Insolvenz. Grobe Sparpolitik wird die aktuelle Situation nur weiter verschärfen. Unter diesen Umständen können wir die wohnortnahe Arzneimittelversorgung so nicht mehr leisten.“             

Der Sächsische Apothekerverband e. V. vertritt die gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Interessen von knapp 900 Apotheken im Freistaat Sachsen.