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Thema des Monats September 2015

600 Jahre Apothekengeschichte in 1000 Jahren Leipzig

Teil IV - Apotheke zum Weißen Adler - 1709

Kurfürstliches Privileg und Fontanes Gesellenstube

Als lange Zeit später, immerhin ein Jahrhundert nach dem „Leipziger Apothekenstreit“ um die Gründung einer vierten Apotheke, 1709 die Adler-Apotheke gegründet wurde, hatte die Stadt einige wirtschaftliche Rückschläge durch den 30jährigen Krieg, die Besetzung durch die Schweden, wie auch durch die Seuchen hinter sich. Nun allerdings wurde Leipzig zum Handelsplatz für Nordeuropa und zunehmend das Tor nach Ost- und Südosteuropa.
Die Gründung der Adler-Apotheke verdankte sich einer Bittschrift des Apothekers Nicolaus Jerre an den Landesherren. Er umging damit den Rat der Stadt. Die so vom Kursfürsten besonders privilegierte Adler-Apotheke führte daher immer ein Dasein neben den drei älteren Offizinen.
1735 erhielt sie den Titel der königlichen Apotheke, 1764 – nachdem die sächsischen Kurfürsten die polnische Krone verloren hatten – kurfürstliche Apotheke. Sie trug neben dem Symbol des weißen Adlers auch das königlich-polnische und kur-sächsische Wappen. Den Titel „Hofapotheke“ führte sie bis 1920.
Auch die Geschicke der Adler-Apotheke werden vorallen durch Generationenfolgen bestimmt.
In die Jahre 1795 bis 1881 fällt die der Familie Neubert. Ludwig August Neubert war 1840 Meister des später als Schriftsteller berühmt gewordenen Theodor Fontane.

 

Im April 1840 kam Fontane in Leipzig an und war überwältigt:
"Es mochte sechs Uhr sein; die Luft war weich, die Sträucher in den Anlagen hatten schon grüne Knospen. Über allem lag ein feiner Dämmer. Ich reckt und streckte mich, atmete hoch auf und hatte das Gefühl eines gewissen Geborgenseins. Es war auch so. Das mit den ersten Eindrücken hat doch was auf sich..."
aus: Theodor Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig


Seit 1885 bis heute ist es die Familie Lux-Bethmann, die die Adler-Apotheke leitet. Unter Richard Lux wurde das Haus zum 200. Jubiläum der Apotheke umgestaltet - es erfuhr eine moderne, zweckmäßig und trotzdem sehr ansprechende Gestaltung, von der heute noch einiges zu sehen ist. Der Sohn Max (Mäcke) Lux war wohl in der Stadt ein wohlbekanntes Original – sowohl als Genießer als auch als Organisationstalent beschrieben, zeugen die Berichte über ihn von einem bemerkswerten Vertreter des Berufsstandes - von 1912 an bis zu seinem Tod 1971 war er der Leiter der Adler-Apotheke.

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