Pressemeldung

Apotheken unter Dauerbelastung – weitere Schließungen im Jahr 2025

9. Januar 2026

Im zurückliegenden Jahr gaben in Sachsen 18 Apotheken ihren Betrieb auf, bei nur fünf Neueröffnungen. 2024 schlossen 27 Apotheken – erstmals ohne eine einzige Neugründung. Derzeit gibt es im Freistaat noch 867 öffentliche Apotheken. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sind 122 Apotheken aus dem sächsischen Versorgungsnetzwerk verschwunden. Obwohl die Zahl der Schließungen zuletzt niedriger ausfiel als in manchen früheren Jahren, gibt es keine Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung der Apotheken.

„Geschlossen haben vor allem jene Apotheken, die dem anhaltenden finanziellen Druck nicht mehr standhalten konnten. Genau aus diesem Grund sind in den vergangenen Jahren bereits sehr viele Apotheken vom Markt verschwunden. Für die verbleibenden Apotheken hat sich die wirtschaftliche Lage jedoch nicht verbessert, ganz im Gegenteil: Die strukturellen Probleme bestehen unverändert fort.“, erklärt Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes.

Die weiter anhaltenden Apothekenschließungen in Sachsen und auch bundesweit sind nicht Ausdruck einer kurzfristigen Krise, sondern das Ergebnis jahrelanger struktureller Unterfinanzierung. Während die Nominallöhne in Deutschland seit 2013 um fast vierzig Prozent gestiegen sind, wurde das Honorar der Apotheken schlichtweg eingefroren. Gleichzeitig sind die Betriebskosten, wie in allen anderen Brachen auch, schier explodiert.

„Die wachsende Schere zwischen Leistung und Vergütung ist auf Dauer nicht tragfähig und wird zwangsläufig zu weiteren Schließungen führen. Die Antwort darauf kann nicht sein, dass wir zuerst am Leistungsumfang oder der qualifizierten Beratung für Patient:innen sparen. Ich wünschte, die Verantwortliche würden endlich erkennen, dass wir uns damit nur noch mehr Probleme schaffen, statt welche zu lösen.“, so Dittrich.

Göran Donner, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer meint dazu: „Der am 17. Dezember 2025 verabschiedete Kabinettsbeschluss lässt erkennen, dass die politischen Bemühungen zunehmen, Apotheken zu entlasten und sie stärker in Prävention und Versorgung einzubinden. Das können wir nur begrüßen, aber so richtig diese Ansätze auch sind, sie allein reichen aktuell nicht aus, eine Apotheke wirtschaftlich zu betreiben, wenn die derzeitige finanzielle Grundlage immer weiter erodiert.“

„Im Koalitionsvertrag der amtierenden Regierung wurde eine Erhöhung der packungsbezogenen Honorierung von 8,35 Euro auf 9,50 Euro für Apotheken beschlossen. Auf eine zügige Umsetzung dieser Erhöhung haben wir uns verlassen. Nun aber wurde eine Kommission mit dem Ziel beauftragt, unsere Gesundheitsversorgung effizienter zu machen. Die Idee ist nicht neu und aus den Erfahrungen der letzten Jahre wissen wir, dass reflexartig an der Honorierung gespart wird, statt tatsächlich neue Ideen zu entwickeln. Um die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln zu erhalten, brauchen wir die Erhöhung des Honorars sofort und nicht erst in den nächsten Monaten oder Jahren.“, so Dittrich.     

„Es wird anscheinend nicht erkannt, dass Apotheken durch ihren niederschwelligen Zugang zu kompetenter Gesundheitsberatung bereits effektiv arbeiten und für das Gesundheitssystem in vielen Bereichen enorme Einsparungen bringen. Setzt sich die Schließungswelle der Apotheken fort, werden Arztpraxen, Krankenhäuser und damit auch Krankenkassen noch stärker belastet.“, ist sich Göran Donner sicher.   



Der Sächsische Apothekerverband e. V. vertritt die wirtschaftlichen und politischen Interessen von mehr als 800 Apotheken im Freistaat. Mitglieder sind die Inhaberinnen und Inhaber öffentlicher Apotheken.

Die Sächsische Landesapothekerkammer nimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts die beruflichen Belange von rund 3.650 Apothekerinnen und Apothekern wahr. Sie ist die Standesvertretung aller Apothekerinnen und Apotheker in Sachsen.



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Sächsischer Apothekerverband e. V.
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